Wat mutt, dat mutt!

Maren Diehl • 12. August 2026
Wenn's löpt

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Leute, ich hab mir das nicht ausgesucht. Es war nie der Plan, selbst Hufe zu bearbeiten oder überhaupt so tief ins Rabbit Hole zu gehen. Aber die beste Trainingsmethode bringt nix, wenn die Pferde ihre Hufe nicht nutzen können - weil sie schmerzen oder ungeeignete Hornkapselgeometrie haben.

Und jetzt stehe ich an 1000kg Pferd und probiere Tools aus, um den knochentrockenen Bratpfannenhufen irgendwie beizukommen, die in den letzten Wochen “rauswachsen” durften. Wenn es mit diesem Worst Case klappt, ist das Vorgehen brauchbar.

Es muss so funktionieren, dass die Pferdebesitzerinnen das Konzept umsetzen können und, ganz wichtig, weder sich noch das Pferd dabei umbringen.

Dabei halte ich mich an den Piratenkodex: “The code is more what you'd call ‘guidelines’ than actual rules”, denn genau das sind die Richtlinien der Hufbearbeitung, die ich in den letzten Monaten in ihrer historischen Länge und epischen wissenschaftlichen Breite ergründet habe.

Rules were made to be broken (except when they weren’t. Safety first). So halte ich mich an die anatomischen Außengrenzen dessen, was einen gesunden Huf ausmacht. Das ist relativ einfach und deckt sich mit den meisten Beschreibungen. Diese Grenzen respektiere ich.

Gleichzeitig habe ich mich ausführlich damit befasst, wie denn ein gesundes Pferd funktioniert und welche Hufe es dafür braucht. Das wiederum bedeutet, dass ich mich von der gesamten Präventions- und Palliativbearbeitung verabschiedet habe, die häufig die Probleme zu verursachen scheint, die sie beheben soll.

Die Zehenhebelpanik und die Beugesehnenangst haben aus meiner Sicht durch ihre Auswirkungen auf die Hufbearbeitungsstrategien einen großen Anteil an den vielen “Lahmheiten ohne Befund”. Lange Zehen ohne lange Trachten (untergeschoben oder hoch ist dabei egal) sind in ihrer Wirkung auf die Lamellen im Zehenbereich m. E. ebenso unproblematisch wie in der Wirkung auf die tiefe Beugesehne. Diese Einschätzung halte ich nach eingehender Betrachtung vieler Studien und Arbeiten von Bowker über Ramsey bis Pollitt, von Clayton bis Caldwell für vertretbar. (Ramsey hat beispielsweise im biomechanischen Modell berechnet, dass die Belastung der dorsalen Lamellenschicht mit zunehmendem Palmarwinkel steigt.)

Es ist klar, dass es dazu viel Meinung gibt. Aber die Meinung, die für mich mit Faktor 100 zählt, ist die der Pferde. Und die laufen. Mit vollständiger Hufwand. Durchgängig. Bergauf und bergab, einige inzwischen auch auf Schotter. Sie laufen in allen ihnen zur Verfügung stehenden Gangarten und Tempi, zunehmend ohne Hufschuhe.

“... auch wenn es absolut mühsam, anstrengend und überhaupt nicht funny ist. Ich könnte daran manchmal fast verzweifeln, vor allem bei dieser Trockenheit…
Aber ich hatte in diesen 3-4 Monaten keine Trainingseinbrüche, keine Fühligkeiten, und keine Probleme beim Bergabreiten gehabt. Deshalb habe ich nicht aufgegeben.”

Und der Kaltblüter vom Foto läuft “auffallend fluffig”.

Hufbearbeitung ist bei Hufen ohne hochgradige Pathologien weder Zauberkunst noch Hexenwerk, wenn man den Fokus von der Pathologievermeidung zur Gebrauchsermöglichung verschiebt. Allerdings erweist sich die Kommunikation zwischen den beiden Perspektiven als erstaunlich kompliziert.

 


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